GoPro warnt vor Insolvenz, angeblich wegen explodierender Speicherpreise
Der Actionkamera-Pionier GoPro hat formelle Zweifel am eigenen Fortbestand offengelegt. Der KI-Boom treibt Speicherchip-Preise in die Höhe, während gleichzeitig Umsatz einbricht und Barmittel halbiert werden.

GoPro, einst der prägende Name im Markt für Action-Kameras, sieht sich mit existenziellen finanziellen Problemen konfrontiert. Das kalifornische Unternehmen hat in seinen jüngsten Finanzunterlagen erhebliche Zweifel an der Fähigkeit offengelegt, den Betrieb als fortgeführtes Unternehmen aufrechtzuerhalten. Diese formelle Warnung, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers untermauert wurde, könnte Kreditverstöße auslösen und die gesamte Finanzierung des Unternehmens gefährden. Die Aktie reagierte mit einem Acht-Prozent-Rückgang im vorbörslichen Handel. Während der KI-Boom die Preise für Speicherchips in die Höhe treibt, kämpft GoPro gleichzeitig mit einem einbrechenden Geschäft und halbierten Barmitteln.
Speicherpreise verdoppelt sich
Die Nachfrage nach Halbleitern für den Ausbau von Rechenzentren explodiert, getrieben durch den Boom der Künstlichen Intelligenz. GoPro musste im ersten Quartal feststellen, dass sich die Kosten für Speicherbausteine in einigen Bereichen mehr als verfünffacht haben. Diese Materialpreis-Spirale belastet die Produktion, während gleichzeitig die Absatzzahlen sinken. Der Effekt ist branchenweit spürbar, doch bei GoPro trifft er auf eine bereits geschwächte Geschäftsposition. Steigende Einkaufspreise für Chips und fallende Einnahmen aus Verkäufen — dieser Schereneffekt zerrt an den Margen und verschärft die finanzielle Lage.
Umsatz und Barmittel einbrechen
Die Finanzzahlen zeichnen ein düsteres Bild: GoPro erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 651,5 Millionen US-Dollar, was einem Rückgang von fast 19 Prozent gegenüber den 801,5 Millionen Dollar im Vorjahr entspricht. Dennoch verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 83,3 Millionen Dollar. Die Barmittel halbierten sich innerhalb eines Jahres von 102,8 Millionen auf nur noch 49,7 Millionen Dollar. Die kumulierten Gesamtverluste belaufen sich inzwischen auf 775,1 Millionen Dollar. Diese Entwicklung zeigt, dass das Unternehmen nicht nur kurzfristig unter Druck steht, sondern seit Jahren strukturelle Schwierigkeiten bewältigen muss.
Kreditverträge und Ausfallrisiko
Die Finanzierung von GoPro stützt sich auf zwei Säulen: eine 50-Millionen-Dollar-vereinbarung mit Farallon Capital Management und Wells Fargo sowie eine Wandelschuldverschreibung über同样 50 Millionen Dollar, die im Februar 2026 mit YA II PN geschlossen wurde. Die Kreditverträge enthalten Going-Concern-Klauseln, die eine solche Warnung als Zahlungsausfall interpretieren — rechtlich vergleichbar mit einem Vertragsbruch. Weil die Kredite gekoppelt sind, könnte ein einzelner Ausfall die gesamte Finanzierungskette in Bewegung setzen. Das Unternehmen hat bereits Vertragsbedingungen verletzt und sucht aktiv Gespräche mit seinen Geldgebern. Pläne zur Restrukturierung wurden bisher nicht vorgelegt.
MAX2-Kamera belastet Lage
Die 360-Grad-Kamera MAX2, die GoPro im September 2025 auf den Markt brachte, erwies sich als finanzieller Belastungsfaktor. Technische Schwierigkeiten und verspätete Verfügbarkeit sorgten für enttäuschende Absatzzahlen. Das ambitionierte Produkt sollte einen neuen Marktsegment erschließen, doch die Entwicklung kostete mehr als geplant und generierte weniger Einnahmen als erwartet. In einer Phase, in der das Unternehmen ohnehin mit sinkenden Umsätzen und steigenden Materialkosten kämpft, wirkt das Scheitern dieses Premium-Produkts wie ein zusätzlicher Schlag. GoPro hatte sich mit der MAX2 einen Schritt gewagt, der über die bewährte Core-Produktlinie hinausging — und dieser Schritt kostete mehr, als geplant.
Zusammenfassung
GoPro warnt formell vor möglichen Insolvenzfolgen, da Speicherchip-Preise durch den KI-Boom verdoppelt wurden und der Umsatz 2025 um 19 Prozent sank. Barmittel halbierten sich auf 49,7 Millionen Dollar, kumulierte Verluste liegen bei 775,1 Millionen Dollar. Das Unternehmen verstößt bereits gegen Kreditbedingungen und sucht Gespräche mit Geldgebern — Restrukturierungspläne fehlen.
Kommentar
Aus unserer Sicht sind nicht die Speicherpreise die Ursache für die drohende Insolvenz, denn diese dürften einen sehr niedrigen Anteil an den Herstellungskosten haben. Viel mehr die falsche Produkt- und Preispolitik und verstärkte Konkurrenz in Form von DJI und Insta360 lassen die Umsätze von GoPro schrumpfen und die Kunden zu der besagten Konkurrenz abwandern.
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