Apps · Apple

Bundeskartellamt: Apple muss Tracking-Dialoge neutraler machen

Bundeskartellamt: Apple muss die Tracking-Dialoge neutraler gestalten. Abschreckende Warnungen dürfen künftig nicht mehr vorkommen.

A
AppTickerTeam
Vor 21 Std3 Min. Lesezeit
iPhone zeigt den neutralen Tracking-Dialog vor dem Bundeskartellamt in Bonn.
Banner-Werbung
Leaderboard · 970 × 250 / 728 × 90

Nach monatelangem Streit hat das Bundeskartellamt ein Einvernehmen mit Apple über die Tracking-Abfragen im App Store erzielt. Die deutsche Wettbewerbsbehörde beendet damit ihr Verfahren und legt dem Konzern verbindliche Auflagen auf, die er künftig einhalten muss. Im Kern ging es um die Frage, ob die Einwilligungsdialoge die eigenen Apps von Apple gegenüber Angeboten von Drittanbietern bevorteilen. Bisher hatte der Konzern nur eine leichte Umformulierung der Warnhinweise angeboten, was die Behörde nicht als ausreichend einstufte.

So neutral müssen ATT-Dialoge werden

Die neue Einigung greift tiefer als der zuvor abgelehnte Kompromiss. Apple muss die gesamten Einwilligungsaufforderungen überarbeiten und dabei auf Gestaltungsmittel verzichten, die Nutzer aktuell vom Tracking abhalten sollen. Konkret bedeutet das:

  • Abschreckende Symbole und Warnungen dürfen nicht mehr in den Dialogen erscheinen.
  • Inhalt, Wortlaut und Aufmachung müssen neutral sein, damit sie keine Antwort vorgeben.
  • Entwickler dürfen künftig erklären, warum ihre Apps Tracking benötigen, was bisher nur eingeschränkt möglich war.

Darüber hinaus soll Apple die Bauart der Consent-Requests für Entwickler vereinfachen. Publisher und Entwickler dürfen Apples Dialoge mit den nach deutschem Datenschutzrecht nötigen Anfragen kombinieren, wobei offen ist, ob die Apple-Warnungen dabei redigiert werden dürfen. Die Darstellung muss dem Nutzer aber klar verständlich bleiben. Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt betonte, der Konzern dürfe mehr Schutz als das gesetzliche Minimum bieten, eigene Angebote im Ökosystem aber nicht besser behandeln als die von Wettbewerbern.

Vier Monate Frist und sieben Jahre Bindung

Apple hat vier Monate Zeit, die vereinbarten Änderungen umzusetzen. In dieser Phase testet der Konzern die neuen Dialog-Formulierungen mit Entwicklern, bevor sie breit ausgerollt werden. Danach gelten die verbindlichen Verpflichtungen sieben Jahre und werden von einem unabhängigen Treuhänder überwacht, der die Einhaltung der Auflagen prüft.

Laut Reuters will Apple die Änderungen in fast allen EU-Ländern anwenden, ohne konkrete Länder zu nennen. Damit würde die deutsche Einigung faktisch zum Standard für den gesamten europäischen Markt. Apple hatte bisher argumentiert, die Abfragen dienten nicht dazu, Nutzer vom Tracking bei eigenen Apps abzuhalten, weil keine eigenen Apps Nutzer tracken. Tatsächlich nutzte der Konzern die Dialoge aber abschreckend gegenüber Dritt-Apps, was die Behörde als Wettbewerbsverzerrung wertete.

ATT-Streit: Vorher schon verurteilt in Europa

Die Tracking-Funktion kam Anfang 2021 mit iOS 14.5 auf den Markt, damit Nutzer das Nachverfolgen durch Apps begrenzen können. Der Effekt auf den Werbemarkt war erheblich: Werbekunden wie Facebook verloren bis Oktober 2021 laut Berichten rund 10 Milliarden Dollar an Einnahmen, weil viele Nutzer dem Tracking nicht zustimmten. Kurz nach dem Launch musste Apple zudem ein Bugfix-Update für die Funktion veröffentlichen.

Auch außerhalb Deutschlands stand die Abfrage unter Druck. Ein französisches Gericht entschied im Januar 2026 weitgehend zugunsten Apples und ordnete keine Änderungen an, verhängte aber dennoch ein Bußgeld. Italien verurteilte den Konzern 2025 ebenfalls wegen der Tracking-Abfragen. Die neuen deutschen Vereinbarungen könnten diese Urteile laut Einschätzung von AppleInsider faktisch überlagern. Damit wird die Einigung zum Maßstab für die europäische Diskussion um Tracking und Datenschutz im App Store.

Banner-Werbung
Inline · Billboard 970 × 250

Das könnte dich auch interessieren

Weitere Geschichten aus Apps.

Alle Apps →

Kommentare

1 Beitrag

Du musst angemeldet sein, um zu kommentieren.

  1. A
    Anonym

    Das Kartellamt. Irgendwie ein witziger „Verein“. Ich finde Trackingwarnungen wichtig. Gerne auch exponiert. Ja, es sollten alle gleich behandelt werden - also auch die eigenen Apps. Aber das was da als Vorgabe gilt ist mMn genau die falsche Richtung… Ist ja nicht so, dass die ganze Branche Cybersicherheit immer mehr an Bedeutung gewinnt und ein entsprechendes Handeln immer wichtiger. Das Kartellamt sollte sich mal mit einer solchen Inbrunst um die Ölfirmen kümmern. Aber das scheint ja möglicherweise nicht so erwünscht zu sein. Warum auch immer. Da kann die Fantasie ordentlich Purzelbäume schlagen 🤔😶‍🌫️🎉🤷‍♂️

News & Schnäppchen — jeden Freitag in deiner Inbox.

Die wichtigsten App-News und besten Deals der Woche, kuratiert von der Redaktion. Kein Spam.