Sonstiges · WhatsApp

Experten warnen vor Öffnung von iMessage, WhatsApp und anderen Messengerdiensten

Die Meldung über die Pläne der EU in Bezug auf die Öffnung von namhaften Messengern schlug hohe Wellen. Nun äußerten sich auch eine Reihe von Datenschützen kritisch über das geplante Vorgehen. 

A
AppTickerTeam
30.03.20224 Min. Lesezeit
Experten warnen vor Öffnung von iMessage, WhatsApp und anderen Messengerdiensten
Banner-Werbung
Leaderboard · 970 × 250 / 728 × 90

Die traditionelle SMS, der Anruf und auch das Verschicken einer E-Mail nehmen in der alltäglichen Kommunikation der meisten Menschen mittlerweile eine eher zweitrangige Bedeutung ein. Messenger-Dienste wie WhatsApp, Telegram oder Signal erleben dagegen seit vielen Jahren einen unveränderten Boom. Die Vorzüge liegen dabei klar auf der Hand: Wer nicht im "Live-Gespräch" telefonieren will oder kann, lässt seinem Gesprächspartner einfach eine Sprachnachricht zukommen. Außerdem lassen sich Bilder und Videos kinderleicht mit vielen Personen gleichzeitig teilen, auch die Möglichkeit der Video-Anrufe erfreut sich spätestens seit den Einschränkungen in der Corona-Pandemie steigender Beliebtheit. 

Die Europäische Union sieht in der aktuell vorliegenden Lage allerdings einen erheblichen Nachteil gegenüber früher genutzten Kanälen: Die Kommunikationskanäle von heute sind untereinander nicht interoperabel. Das bedeutet, dass ein Nutzer, der ausschließlich WhatsApp nutzt, einem ausschließlichen Signal-Nutzer keine Nachrichten schicken kann, wenn er nicht auf die klassische SMS zurückgreifen will. 

Mit dem "Digital Markets Act" (wir berichteten) will die EU zumindest die Big Player im Geschäft dazu bringen, ihre Dienste für kleinere Anbieter zu öffnen und den Austausch zwischen den Plattformen zu ermöglichen, vorausgesetzt die entsprechenden Anbieter beantragen dies. 

Technisch fragwürdige Umsetzung

Das von der EU initiierte Vorhaben stellt allerdings sowohl große als auch kleine Anbieter vor erhebliche technische Herausforderungen. Im Mittelpunkt dieser Diskussionen steht die in fast allen Fällen genutzte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der sämtliche Messenger für eine sichere und verschlüsselte Kommunikation werben. Aktuell ist noch nicht klar, wie der Austausch von Nachrichten, Bildern und anderen Medien anwendungsübergreifend per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umgesetzt werden soll. 

Doch selbst wenn das Problem gelöst wird, gäbe es noch eine Reihe von Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Datenschutz. Steven Bellovin ist Security-Experte und Professor für Informatik und erklärt gegenüber The Verge, dass die Angleichung zweier unterschiedlicher Kryptografie-Architekturen ohne Veränderungen bei zumindest einem Beteiligten einfach nicht möglich sei. Damit sich zwei Dienste zueinander kompatibel zeigen, müssten bestimmte Sicherheitsfunktionen entfernt werden, was wiederum mit einem nicht kalkulierbaren Risiko verbunden wäre, so der Experte. 

Schwachstellen durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Ein weiteres Problem entsteht, sobald zwei Dienste zueinander inkompatible Verfahren der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung benutzen. Verschickte Inhalte müssten in diesem Fall zuerst entschlüsselt und anschließend neu verschlüsselt werden. Dadurch würden sich für Dritte neue Möglichkeiten bieten, in die Kommunikation einzugreifen. 

Auch Alex Muffett, Sicherheits-Experte und ehemaliger Facebook-Mitarbeiter, sieht das Vorhaben kritisch und verweist ebenfalls auf mögliche Sicherheitslücken für Nutzer anderer Services. Ein weiterer Punkt, den Datenschützer kritisch einstufen: Im Falle einer Interoperabilität müsse jeder geöffnete Messaging-Dienst sicherstellen, dass der Zugang auch für die Nutzer anderer Dienste gewährleistet wird, wodurch neue Herausforderungen an die Sicherheitsstruktur sämtlicher Anwendungen gestellt werden. 

Befürworter sprechen von lösbaren Problemen

Es gibt jedoch nicht nur kritische Stimmen im Zusammenhang mit dem geplanten Vorhaben. Die Entwickler des Kommunikationsprotokolls Matrix widersprechen den von The Verge zitierten Sicherheitsexperten. Die angesprochenen Sicherheitsprobleme seien durchaus zu lösen, sofern ein quelloffenes System zum Einsatz käme. 

Sollten die in Frage gestellte Entschlüsselung und anschließende Neuverschlüsselung dazu noch auf den jeweiligen Endgeräten und nicht auf einem ausgelagerten Server vorgenommen werden, wäre auch das Problem mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gelöst. Dadurch entstünden keine weiteren Risiken im Zusammenhang mit einer Öffnung diverser Messenger-Dienste. 

Banner-Werbung
Inline · Billboard 970 × 250

Das könnte dich auch interessieren

Weitere Geschichten aus Sonstiges.

Alle Sonstiges →
WhatsApp Username erscheint jetzt beim Kontaktspeichern
Apps

WhatsApp Username erscheint jetzt beim Kontaktspeichern

WhatsApp integriert den WhatsApp Usernamen direkt in den Dialog zum Erstellen neuer Kontakte. Damit rückt die App vom reinen Telefonnummern-System ab.

Vor 6 Std2 Min
Telegram-Entfernung aus dem App Store: Durov entlarvt Erpressungsnetzwerk
Apps

Telegram-Entfernung aus dem App Store: Durov entlarvt Erpressungsnetzwerk

Die Messenger-App stand in der Nacht zum 5. August kurzfristig nicht mehr zum Download bereit. Während Apple auf verbotene Inhalte verwies, macht Telegram-Chef Pavel Durov kriminelle Erpresser verantwortlich.

05.08.20263 Min
WhatsApp aktualisiert Gruppenchats mit anonymen Umfragen und @all-Erwähnungen
Apps

WhatsApp aktualisiert Gruppenchats mit anonymen Umfragen und @all-Erwähnungen

WhatsApp hat die Funktionen für Gruppenchats erweitert. Anonyme Abstimmungen, ein neues @all-Tagging mit Einschränkungen und die Möglichkeit, neue Gruppen aus bestehenden zu erstellen, sollen die Organisation im Chat erleichtern.

04.08.20263 Min
Telegram kurzzeitig aus dem App Store entfernt
Apps

Telegram kurzzeitig aus dem App Store entfernt

Die Messaging-App Telegram war am 3. August 2026 für kurze Zeit weltweit aus dem App Store verschwunden. Apple handelte wegen Verstößen gegen die Richtlinien zum Schutz vor sexuellem Missbrauch von Kindern.

04.08.20263 Min
Elektrifizierte Fahrzeuge überholen Verbrenner in der EU zum ersten Mal
Technik News

Elektrifizierte Fahrzeuge überholen Verbrenner in der EU zum ersten Mal

Im ersten Halbjahr 2026 haben sich die EU-Zulassungszahlen erstmals zugunsten elektrisierter Antriebe verschoben. Tesla führt die Verkaufscharts an, während chinesische Hersteller massiv zulegen.

27.07.20263 Min
Apple-Strategie-Wende, KI-Integration und regulatorischer Druck: KW 30 im Rückblick
Smartphone

Apple-Strategie-Wende, KI-Integration und regulatorischer Druck: KW 30 im Rückblick

Apple bricht mit etablierten Veröffentlichungszyklen, die Software-Entwicklung priorisiert Effizienz und künstliche Intelligenz, während regulatorische Eingriffe die globalen Lieferketten unter Druck setzen.

26.07.20265 Min

Kommentare

Sei der Erste, der hier kommentiert.

Du musst angemeldet sein, um zu kommentieren.

News & Schnäppchen — jeden Freitag in deiner Inbox.

Die wichtigsten App-News und besten Deals der Woche, kuratiert von der Redaktion. Kein Spam.