Tim Cook sucht persönlich Lösung für Siri-KI-Blockade in der EU

Apple-Chef Tim Cook hat ein deutliches Signal für europäische Nutzer gesetzt. In einem virtuellen Austausch mit der EU-Technikchefin Henna Virkkunen ging es um den langjährigen Konflikt um die künstliche Intelligenz von Apples virtuellem Assistenten. Die Gespräche machen klar, dass Apple bereit ist, auf höchster Ebene nach Wegen zu suchen, um die regulatorischen Hürden in der Europäischen Union zu überwinden. Der Streit dreht sich vor allem um die Frage, wie Siri KI-Funktionen in Europa bereitgestellt werden können, ohne gegen den Digital Markets Act zu verstoßen.
Seit der Ankündigung während der WWDC26 steht fest, dass die erweiterten KI-Features von Siri nicht zusammen mit iOS 27 und iPadOS 27 in der EU verfügbar sein werden. Diese Entscheidung hat bei Entwicklern und Verbrauchern für Enttäuschung gesorgt. Cooks persönliches Engagement könnte ein Wendepunkt in der Entwicklung sein.
Konstruktiver Austausch in Brüssel
Am 30. Juni 2026 fand ein virtuelles Treffen zwischen Tim Cook und Henna Virkkunen statt. Die Executive Vice President der EU-Kommission ist zuständig für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie. Nach dem Gespräch bezeichnete Virkkunen den Austausch als konstruktiv und betonte, dass an Themen gemeinsamen Interesses weitergearbeitet wird. Ein konkretes Ergebnis wurde nicht genannt, doch die Tatsache, dass der Apple-Chef persönlich verhandelt, signalisiert eine höhere Priorität als bei früheren Diskussionen.
Laut Financial Times standen auch finanzielle Aspekte im Raum. Beide Seiten diskutierten, wie Apple Millionen an Bußgeldern für DMA-Verstöße vermeiden kann. Der Digital Markets Act droht mit Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Umsatzes bei wiederholten Verstößen. Cooks persönliches Auftreten unterstreicht, dass das Unternehmen die regulatorischen Risiken ernst nimmt.
Scharfe Worte von Apple und EU
Die Spannungen zwischen Apple und der EU-Kommission sind deutlich. Auf der Newsroom-Seite begründete Apple seinen Verzicht auf Siri AI in Europa mit dem Digital Markets Act. Das Unternehmen argumentierte, dass die regulatorischen Vorgaben eine sichere Bereitstellung der KI-Funktionen unmöglich machen. Die Erklärung fiel deutlich schärfer aus als typische Pressemitteilungen des Unternehmens.
Die EU-Kommission reagierte ebenfalls bestimmt. EU-Sprecher Thomas Regnier betonte, dass der DMA Apple keineswegs am Produktlaunch hindere. Die Verantwortung für die Nichtverfügbarkeit liege allein bei Apple. Die Kommission verwies darauf, dass das Unternehmen keine kompatiblen Lösungen entwickelt habe, um die KI-Funktionen europarechtlich konform anzubieten. Dies sei eine klare Abgrenzung der Verantwortung.
Gescheiterter Lösungsansatz
Apple hatte einen innovativen Vorschlag entwickelt, um den Konflikt zu lösen. Der sogenannte Trusted System Agent sollte als Vermittler zwischen Siri und Drittanbietern fungieren. Das Konzept sah vor, dass virtuelle Assistenten über eine geschützte Schnittstelle auf Siri-Funktionen zugreifen können, ohne dabei sensible Nutzerdaten zu gefährden. Die Lösung sollte den Datenschutz gewährleisten und gleichzeitig KI-Features in Europa ermöglichen.
Der Apple-Plan sah eine 18-monatige Übergangsphase vor. In diesem Zeitraum hätte Siri KI schrittweise in der Europäischen Union eingeführt werden sollen. Die Europäische Kommission lehnte den Vorschlag jedoch ab. Datenschutz- und Sicherheitsbedenken wurden als Hauptgründe genannt. Die Kommission hielt die vorgeschlagene Architektur für nicht ausreichend, um die strengen EU-Vorgaben zu erfüllen.
Bußgelder im Blick
Hinter den diplomatischen Gesprächen steht ein erhebliches finanzielles Risiko für Apple. Der Digital Markets Act sieht bei Verstößen Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Bei wiederholten Verstößen können diese auf bis zu zwanzig Prozent ansteigen. Für das Technologieunternehmen bedeutet das potenzielle Strafen in Milliardenhöhe.
Die Gespräche zwischen Cook und Virkkunen umfassen auch die strategische Frage, wie Apple den wieder erfundenen Siri in Europa einführen kann. Zwei Wochen vor dem Treffen hatte Cook bereits im Wall Street Journal über Lieferengpässe bei Speicherchips gesprochen. Diese Themen zeigen, dass Cook aktuell mit mehreren großen Herausforderungen konfrontiert ist. Die Siri-KI-Frage steht dabei im Zentrum der regulatorischen Auseinandersetzung.
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