Konsequenzen für Apple - Europa Parlament stimmt für das Recht auf Reparatur von Geräten

Technik News
Julia

Die Reparatur eines Apple Gerätes in Eigenarbeit gestaltet sich häufig als schwierig bis unmöglich. Das könnte sich bald ändern.

Konsequenzen für Apple - Europa Parlament stimmt für das Recht auf Reparatur von Geräten

Für technische Geräte gilt immer eine Garantie innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ab dem Kaufdatum, so auch für Produkte von Apple. Dadurch soll sichergestellt werden, dass nicht mutwillig herbeigeführte Defekte für den Kunden kostenfrei repariert werden können. Ist diese Garantie allerdings abgelaufen, kann es für den Nutzer des Gerätes schnell kostspielig werden, wenn er sein Gerät in die Reparatur geben muss. Selbst, wenn es sich nur um kleinere Defekte handelt, ist eine Reparatur in Eigenarbeit nur selten möglich, da die meisten Teile fest verbaut sind, Ersatzteile fehlen oder spezielles Werkzeug gebraucht wird, um an die beschädigten Teile überhaupt gelangen zu können. Dieses Problem zeigt sich beispielsweise besonders bei einem beschädigten Display: Oftmals muss hierbei selbst bei einer noch vorhandenen Garantie tief in die Tasche gegriffen werden. Für die Bildschirmreparatur des iPhone 12 bezahlt man bereits über 300€, da es sich nicht um einen Defekt, herbeigeführt durch ein fehlerhaftes Produkt, handelt. Andererseits ist das Reparieren in Heimarbeit kaum möglich; zwar gibt es hierzu Tools, doch ebenso kann auch der Garantieanspruch erlöschen. Deshalb hat man oft keine Wahl, als das Gerät dann für viel Geld in die Reparatur zu geben, oder sich gleich ein neues zu kaufen.

Genau dagegen gab es im Europaparlament eine Abstimmung, welche das Vorhandensein von genügend Ersatzteilen garantieren, und den frühzeitigen Verschleiß von Modulen verhindern soll.

Über was hat das Parlament abgestimmt?

Es wurden verschiedene Maßnahmen beschlossen. Zum einen sollen Gerätehersteller demnächst einer Informationspflicht obliegen, so müssen sie Informationen zu der voraussichtlichen Lebensdauer ihrer Geräte und einzelner Komponenten veröffentlichen. Gleichzeitig müssen sie nicht nur ein ausreichend großes Ersatzteillager aufweisen, sondern auch Listen mit den Preisen für die Ersatzteile an die Kunden weitergeben. Bei der Herstellung der Geräte sollen nur Bauteile mit einer ausreichend hohen Lebensdauer verbaut werden, sodass eine frühzeitig notwendige Reparatur vermieden werden soll. Generell soll die Reparatur eines Gerätes in Eigenarbeit vereinfacht werden, sodass Nutzer nicht mehr zwingend auf Reparaturen durch den Hersteller oder lizenzierte Verkäufer angewiesen sind.

Zwar handelt es sich bislang nur um eine Abstimmung, doch ist sie in einem Gesetzestext erst einmal umgesetzt, wird dies weitreichende Folgen für Apple und andere Produkthersteller haben: Es werden nicht mehr einfach nur alle Bauteile verlötet werden können, da dies eine Reparatur durch den Nutzer selbst quasi unmöglich macht. Eventuell wird die Bauweise einiger Geräte komplett überdacht werden müssen.

Für den Vorschlag stimmte einer Mehrheit von 395 Abgeordneten, gerade einmal 94 waren dagegen. 207 Politiker enthielten sich.

Kritik durch Umweltschützer

Für den Vorschlag erntete das Parlament Kritik. Er sei nicht etwa nachhaltig, was eigentlich unter anderem das Ziel sein sollte, sondern eher ökologisch nachteilig. Denn da es ein Ersatzteillager in jedem Unternehmen geben solle, müssten bereits Bauteile vorproduziert werden, selbst, wenn diese vielleicht niemals gebraucht würden. Außerdem gelte besonders bei elektronischen Geräten die Faustregel, dass neue Produkte oftmals energieeffizienter seien, als ältere. Würde das ältere, defekte Modell also repariert werden, wäre also wahrscheinlich der Stromverbrauch im Nachhinein deutlich höher, als, wenn man sich ein neues Gerät gekauft hätte.

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