Neue Anti-Datenschutz-Kuriositäten gegen iOS 14.5: Facebook und Springer schalten das Bundeskartellamt ein

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Julia

Kaum ist die Anti-Tracking-Funktion veröffentlicht, mischt Facebook wieder mit und versucht sich mit aller Macht dagegen zu stemmen. Der Konzern hat sich in Deutschland mächtige Verbündete gesucht mit dem Plan, eine Klage beim Bundeskartellamt erfolgreich durchzusetzen, die am liebsten mit einem Verbot der Funktion enden soll.

Neue Anti-Datenschutz-Kuriositäten gegen iOS 14.5: Facebook und Springer schalten das Bundeskartellamt ein

Dass Facebook mit voller Macht gegen Apples Anti-Tracking-Funktion wettert, ist nichts neues. Dieser Umstand wird auch nicht besser mit der Veröffentlichung der finalen Version iOS 14.5 und iPadOS 14.5, in welche die Funktion nun vollstes integriert ist: Stattdessen hat sich Facebook Verbündete gesucht und beim Bundeskartellamt in Deutschland Klage eingereicht. Scheinbar sieht sich Facebook selbst als Verteidiger "kleiner" Firmen und Entwickler. Denn gemeinsam mit dem Axel Springer Verlag und neun weiteren Verbünden heißt es, die neuen Maßnahmen würden Werbeeinnahmen in Höhe von bis zu 60% wegfallen lassen, wodurch viele Apps verschwinden würden. Außerdem habe Anti-Tracking auch Nachteile für den Nutzer.

Facebook versus Anti-Tracking: Die Funktion solle verboten werden

Bislang gab es von Facebook immer nur böse Kommentare zum Thema Anti-Tracking-Funktion, doch nun macht der Konzern ernst. Pünktlich zum Erscheinen von iOS 14.5 und iPadOS 14.5 hat Facebook eine Klage in Deutschland beim Bundeskartellamt eingereicht. Der Konzern pocht auf seinen Erfolg, denn er steht nicht allein da: Nicht nur von Vertretern aus der Werbeindustrie kommt lauter Protest gegen Anti-Tracking, auch populäre und große Wirtschaftsverbände haben sich dem Kampf gegen Apples Funktion angeschlossen. Darunter befinden sich Namen wie der Axel Springer Verlag, der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) oder der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger  (VDZ). Wenn es nach den Giganten geht, soll Apples Feature nicht nur einer vollständigen Prüfung unterzogen, sondern am besten komplett verboten werden. Ihre Argumente sind teils sehr kurios.

Vor allem kommt das Argument zum Tragen, das Facebook bereits seit Beginn der Debatte immer wieder in den Mund nimmt: Cupertino nutze seine wettbewerbsbeherrschende Stellung zum eigenen Vorteil aus und schade somit dem gesamten Markt. Während die Werbeeinnahmen für alle Organisationen und Apps bis zu 60% zurückgingen, würde Apple profitieren und noch mehr Macht gewinnen. Dass Nutzer vielleicht gar nicht möchten, dass Firmen Daten von ihnen sammeln und beliebig für ihre Zwecke nutzen, kommt an dieser Stelle nicht vor: Stattdessen heißt es, die Funktion sei sogar zu ihrem Nachteil. So berichtet die Financial Times, dass die Werbenetzwerke auf Grund der Funktion nicht mehr mit Daten gefüttert werden können, die personalisierte Anzeigen erlauben. Kostenfreie und werbebasierte Apps würden aber häufig genau diese Daten nutzen, und würden als Konsequenz in Zukunft weniger werden. Nutzer hätten also nicht mehr so viel Auswahl bei kostenfreien Apps und würden sich diese häufiger kaufen müssen.

Es gibt noch ein weiteres Argument, welches viele Beobachter als besonders kurios empfinden: Demnach würden Verbraucher durch Anti-Tracking nicht nur in ihrer Auswahl geschädigt, sondern auch in dem Aufwand, die sie mit einer Suchanfrage verbringen müssen, da Vorschläge nicht mehr auf personalisierter Basis erfolgen könnten. Dass ein Nutzer, wenn er dies fürchtet, personalisierte Werbung erlauben kann, wird außer Acht gelassen. So macht dieses Argument tatsächlich wenig Sinn. Wahrscheinlich fürchten die Unternehmen, dass zu viele Nutzer die Anti-Tracking-Funktion aktivieren werden, sodass sie eben nicht mehr auf deren Kosten munter, des Geldes wegen, Daten sammeln können.

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