Corona-Tracing: Bundesregierung ändert Kurs, kein zentrales Speichern von Nutzerdaten
Die für Deutschland geplante Corona-Tracing-App sollte eigentlich auf eine zentrale Speicherung der erfassten Daten setzen. Heftige Kritik an diesem System führte nun zum Umdenken.

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist, kann andere Menschen mit seiner eigenen Atemluft anstecken. Um die Kontaktkette bei zukünftigen Infektionen besser nachvollziehen und in der Folge schneller handeln zu können, ist seit einigen Wochen eine sogenannte Corona-Tracing-App im Gespräch. Diese soll via Bluetooth protokollieren, mit wem man Kontakt hatte oder an welchen Personen man im Lauf des Tages auch einfach nur vorbeigegangen ist.
Obwohl die Tracking-App, die sich bei der europäischen Technologie-Initiative PEPP-PT in Entwicklung befindet, in jedem Fall DSGVO-konform sein wird, erntete das System im Vorfeld heftige Kritik. Die Daten würden nämlich zentral gespeichert werden. Sowohl die Gesellschaft für Informatik als auch der Chaos Computer Club, der bereits die Schwachstellen der App des Robert Koch-Instituts (RKI) "Corona Datenspende" aufzeigte, gaben der Bundesregierung in einem offenen Brief zu verstehen, dass die Gefahr für Missbrauch bei den mit der Corona-Tracing-App gesammelten Daten bei einer zentralen Speicherung hoch sei.
Bundesregierung bevorzugt nun dezentrale Speicherung
Um das Vertrauen der Bürger in die für die Kontaktverfolgung der Infektionsketten wichtigen Maßnahme zu stärken, hat die Bundesregierung am Wochenende nun eingelenkt (via tagesschau.de). Statt dem bisher angedachten Modell der zentralen Speicherung verbleiben die Daten nun auf den Geräten der Nutzer. Eine zentrale Ablage und somit eine stetig wachsende Datensammlung an einem Ort wird es nicht geben.
Das Grundgerüst der bisher durch PEPP-PT entwickelten App bleibt gleich. Wie Gesundheitsminister Jens Spahn und Kanzleramtschef Helge Braun mitteilten, wird man für die Speicherung der Daten auf die Schnittstelle setzen, die Apple und Google aktuell ausarbeiten. Neben dem Verbleib der Tracing-Daten auf den Geräten soll es aber die Möglichkeit geben, seinen eigenen Datensatz freiwillig und anonymisiert an das RKI zu senden.
Apple will Schnittstelle morgen zur Verfügung stellen
Für iOS und wahrscheinlich auch iPadOS könnte es schon bald ein Update geben, das die technische Grundlage für die kommende Corona-Tracing-App liefert. Die entsprechende Schnittstelle wird fest in den beiden Betriebssystemen integriert, erfasst aber im Gegensatz um bisher geplanten Modell keine Standortdaten.
Via Bluetooth wird in regelmäßigen Abständen eine individuelle ID an andere Geräte in der Umgebung gesendet. Gleichzeitig erfasst das iPhone dann auch IDs von anderen Geräten, die sich in der Nähe befinden und ebenfalls eine entsprechende Tracing-App installiert haben. Apple arbeitet dabei bei der Entwicklung dieses Standards mit Google zusammen, sodass größtmögliche Kompatibilität gewährleistet wird.
Steckt man sich mit dem Coronavirus an und erhält ein positives Testergebnis für COVID-19, kann man dies in der App eintragen. Alle auf dem Gerät gespeicherten IDs, mit denen man in den letzten Wochen Kontakt hatte, werden dann über ein mögliches Infektionsrisiko informiert. Im Gegenzug erhält man über die Corona-Tracing-App eine Mitteilung, wenn sich eine der Kontaktpersonen infiziert hat.
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