"Das ist Blödsinn!" - Auseinandersetzung zwischen Apple und Epic verlagert sich ins Netz

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Hendrik

Der Rechtsstreit zwischen Apple und Epic Games wird im Vorfeld der Verhandlungen bereits im Internet ausgetragen. Epic-Gründer Tim Sweeney kontert die Einschätzung eines Rechtsexperten auf Twitter mit den Worten "Das ist Blödsinn!" und kritisiert gleichzeitig Apple's mangelnden Willen eingefahrene Geschäftspraktiken anzupassen. 

Wir erinnern uns: Apple verlangt von App-Entwicklern eine Gebühr in Höhe von 30 % auf getätigte In-App-Käufe und verbietet gleichzeitig alternative Bezahlmethoden. Dem Epic-Gründer Tim Sweeney ist der Fakt seit Langem ein Dorn im Auge. Nachdem Epic in einer darauffolgenden Neuversion des Spiels Fortnite eine alternative Bezahlmethode integrierte, zog Apple die Reißleine und schmiss das Spiel aus dem App Store. Mit der Klage möchte Epic gerichtlich feststellen lassen, dass Apple mit seinem App Store ein Marktmonopol zu Gunsten eigener Gewinne missbraucht. Wie immer geht es also um viel Geld.   

Gleichzeitig beschuldigt Apple den Spieleentwickler, die Auseinandersetzung im Stile einer PR-Aktion geplant und aufgezogen zu haben. Im Vorfeld der Gerichtsverhandlung hat Apple unzählige Dokumente mit interessanten Inhalten eingereicht. So soll Epic den Verstoß gegen die Bedingungen im App Store und die darauffolgende Eskalation lange geplant haben. In seinen Ausführungen geht Apple auch auf Epics eigenen Game Store ein, der die letzten Jahre mit roten Zahlen zu kämpfen hatte.  

Den eingereichten Unterlagen zu Folge laufen die Planungen zu der nun eingetretenen Auseinandersetzung seit zwei Jahren. Epic heuerte im Jahr 2019 diverse PR-Firmen an, um eine Medienstrategie gegen Apple zu erschaffen. Das Programm mit dem Namen "Project Liberty" sollte Apple im Ergebnis als den Bösen dastehen lassen. Zu den Vorwürfen, Apple würde sich eine goldene Nase durch den App Store verdienen, verwies der Techgigant auf die damalige Gebühr in Höhe von 60 %, die Epic selbst von anderen Spieleentwicklern kassierte. Die 60 % bezeichnete Sweeney damals als eine "ziemlich günstige Gebühr" im Vergleich zu den sonst üblichen 70 %. 

Weiterhin bekräftigt Apple seinen Ansatz mit dem Datenschutz der eigenen Kunden. Sollte das Gerichtsverfahren zu Gunsten von Epic verlaufen, wäre das eine Gefahr für die Gerätesicherheit und den Datenschutz der Kunden. Mit der Zulassung alternativer Stores auf iOS liefe Apple Gefahr, die Beaufsichtigung über die dort angebotenen Apps zu verlieren. Sweeney hat dagegen schon immer durchblicken lassen, dass er mit der Datenschutzarbeit im Hause Apple sehr zufrieden sei und attestierte dem Konzern diesbezüglich einen guten Job.

In den eingereichten Unterlagen thematisiert Apple außerdem noch den Game Store von Epic und attestiert diesem eine schwerwiegende Unwirtschaftlichkeit. So betrug das Minus im Jahr 2019 rund 181 Millionen Dollar, für 2020 wurde der Verlust sogar auf 273 Millionen Dollar geschätzt. Die dort veranschlagten Gebühren in Höhe von 12 % sind von den 15 % von Apple (zumindest für kleinere Entwickler) noch dazu nicht allzu weit entfernt, zeigen jedoch auch ganz klar, dass 12 % aus wirtschaftlicher Sicht scheinbar einfach zu wenig sind.

Das ist Blödsinn!

Im Vorfeld der Gerichtsverhandlung im Mai werden bereits jetzt Zeugenaussagen und Stellungnahmen gesammelt. Der für Apple aussagende Rechtsexperte Dr. Daniel L. Rubinfeld schätzt den Aufwand, den es benötige, um alternative Stores und frei installierbare Software auf Apple Geräten zu möglichen, als extrem hoch ein. Dazu müsse die Hard- und Software diverser Geräte angepasst und neu gestaltet werden. Florian Müller von FOSS Patents teilte die Aussage von Rubinfeld über Twitter - eine Antwort des Epic-Gründers Sweeney folgte prompt: "Das ist Blödsinn!"

Sweeney hält dagegen und verweist auf das Apple Enterprise Programm. Darüber haben Unternehmen die Möglichkeit, Anwendungen für ihre Mitarbeiter zu entwickeln. Die Apps werden unabhängig vom App Store auf die jeweiligen Geräte gespielt. Wenn Apple den Willen hätte, diesen Weg auch für andere Kunden zu öffnen, wären vertragliche Schranken die einzige Hürde, die genommen werden müsste, so Epic. Diesen Willen erkennt Tim Sweeney jedoch nicht. 

Welcher Argumentation die Gerichte letztendlich folgen, wird sich schon bald zeigen, sobald der Prozess im Mai startet. 

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