Alle Details zu Apples Bekundung vor dem US-Kongress

Apple
Yannick

Vier der größten CEOs weltweit mussten sich vor Kurzem einer historischen Fragerunde vor dem US-Kongress hingeben. Wie sich speziell Tim Cook in Sachen Fairness des App Stores tat, erfährt man hier.

Alle Details zu Apples Bekundung vor dem US-Kongress

Und mit dem gestrigen Tag ist die Anhörung der vier Superkonzerne Facebook, Amazon, Google und Apple ins Land gegangen. Jene war besonders versprechend mit anzusehen, da große Fragen von großen Rechtsinstituten an CEOs gestellt worden sind die ansonsten nie hinterfragt werden. Der nicht aufhörende Wachstum dieser vier Konzerne brachte den US-Kongress so zur These, dass ein Monopol in der Technik-Branche entstanden ist, welches das Wachstum kleinerer Unternehmen für den eigenen Gewinn behindert. Speziell im Fall Apple musste sich Tim Cook vor den Richtlinien des App Stores rechtfertigen, denn der 30%-ige Provisionssatz - verbunden mit Ausnahmen wie Amazon Prime Video, welche diesen Satz nicht abtreten müssen - machte sowohl Unternehmen wie Spotify als auch den Kongress stutzig. Cook hat sich so den Fragen der Repräsentanten beugen müssen, und wie jener sich behaupten konnte haben wir hier zusammengefasst. Die gesamte, fast sechsstündige Aufnahme kann man hier verfolgen.

Offene Regeln, offene Ausnahmen der Regel

Das Eröffnungsplädoyer, welches im Vornherein auf der offiziellen Seite des Kongresses veröffentlicht wurde, ließ Cook so behaupten, dass der Apple App Store seit Anbeginn konsistente Provisionssätze benutzt die sich nie geändert haben - eine weite Mehrheit der Apps im Store würden so gar nichts bezahlen, nur jene die Services speziell für Apple Geräte anbieten treten den Satz ab. Cook bezeichnet Apple so als "Torhüter, die das Tor weiter geöffnet haben", in der Hoffnung so viele Apps wie möglich anbieten zu können. Repräsentant Johnson stieg kurz nach dem Plädoyer auf genau jenen Punkt ein. Johnson fragte Cook so, ob Apple jede App und Entwickler gleich behandelt, was Cook enthusiastisch bestätigte da der App Store offene Regeln besitzt und jede App individuell untersucht wird. Dazu brachte Johnson direkt den Fall Amazon Prime Video auf, welchen Cook abprallen ließ indem er behauptete dass "das Programm für jeden verfügbar ist, der die Bedingungen erweisen kann". Auf diese Antwort fragte Johnson was den App Store hindern würde, die Provisionssätze nicht auf 50% hochzuschrauben, was Cook mit der Analogie eines Straßenkampfes erwiderte - Entwickler können sich ebenfalls dazu entscheiden für Microsoft, Xbox, PlayStation oder anderen Publishern zu entwickeln, daher existiert unvermeidlich ein Wettbewerb zwischen jenen Publishern, bei denen Provisionssätze nicht ohne Konsequenzen geändert werden können. Damit endete die erste Runde an Befragungen für Cook.

Profitieren von den Umständen?

Nach einer kurzen Pause begann die zweite Runde für den US-Kongress. Repräsentant McBath kümmerte sich in dieser Runde um die Befragungen an Cook. McBath fragte Cook so ob Apple die Macht hat, Apps im App Store einzuschränken - Cook erwiderte dies in einer groben Antwort, in dem er auf den Sprung von 500 auf 1,7 Millionen verfügbaren Apps seit Launch des App Stores verwies, unter der Motivation dass Apple "alle Apps auf der Plattform haben will, die es nur haben kann". Daraufhin stellte McBath das Beispiel von Buch-Publisher Penguin Random House in den Raum, welche eine App veröffentlichen wollte die vom App Store abgelehnt wurde - die einzige andere Alternative, dem Beitritt von Random House im Apple-eigenen iBooks Store, wurde vom Publisher abgelehnt. Auf McBaths Frage warum die App abgelehnt wurde, konnte Cook keine klare Erklärung liefern, da "es viele Gründe gibt warum eine App nicht im App Store aufgenommen werden kann. Die App könnte nicht richtig funktionieren oder es könnte andere Gründe geben," erklärte Cook so. Damit endete die zweite Runde an Befragungen.

Die dritte und letzte Runde sah Repräsentanten Nadler und Neguse mit Cooks Befragung vor. Nadler begann so einen kürzlich veröffentlichten Bericht der New York Times anzusprechen, welcher detaillierte das Apple bei AirBnB und ClassPass, zwei große Namen die aufgrund des Ausbruchs der Pandemie von physischen Services komplett auf virtuelle Services umsteigen mussten, plante einen Teil des Umsatzes einzunehmen - Nadler hinterfragte dies als potentielles 'Pandemic Profiteering'. Cook verneinte diese Ansicht jedoch und verwies darauf, dass die neue digitale Richtung beider Firmen technisch gesehen durch die Kommissions-Guidelines des App Stores gehen muss, Apple aber mit beiden Firmen eng zusammenarbeiten würde um jene durch die Pandemie zu unterstützen. Neguse stieg daraufhin ein und fragte, ob der App Store das Klonen von Apps entmutigt - Cook bestätigte dies, konnte allerdings nicht direkt auf die App Store Richtlinie verweisen, die dies belegt. Dies ist allerdings eine messerscharfe Aussage, denn Neguse setzte direkt danach mit dem Thema Tile Tracker an. Sogenannte Tile Item Trackers werden laut Quellen zurzeit von Apple selbst entwickelt und könnten in das Schema 'klonen und selbst benutzen' passen. Cook verneinte dies strikt: "wir bedienen den App Store um Entwicklern zu helfen und nicht zu schaden. Wir würden niemals die IP eines Entwicklers stehlen". Nutzer auf Twitter merkten so kurzerhand an dass dies eine Aussage ist, die nicht so ehrlich ist wie sie scheint. Damit endete die Befragung.

Trotz allem: der Kongress ist überzeugt

Repräsentant Cicilline, welcher von Vornherein kritisch gegenüber den Konzernen eingestellt war, summierte die Gedanken des Kongresses in einem finalen Statement. Dies lässt sich darauf herunterbrechen dass sich der Kongress bestätigt fühlt, dass die vier Konzerne eine Monopol-ähnliche Macht besitzen, die aufgebrochen und reguliert werden muss. Bald soll zu dem Ereignis ein Bericht des Kongresses veröffentlicht werden, welches die Gedanken und Entschlüsse des Kongresses detailliert wiederspiegelt. Wie souverän sich Cook in der Befragung gezeigt hat kann bislang nur spekuliert werden - mit dem Bericht wird man allerdings schon bald Klarheit haben.

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