Das französische Parlament bittet Apple, technische Hürden von iOS für eigene COVID-App aufzuheben

Technik News
Yannick

Die Apple/Google API ist ein großes Thema für die EU, welche gar nicht schnell genug kommen kann. Die französische Regierung nimmt das jedoch ernst und entwickelt eine eigene API, um den langen Entwicklungszeiten einer EU-weiten App vorzubeugen.

Das französische Parlament bittet Apple, technische Hürden von iOS für eigene COVID-App aufzuheben

In den Zeiten der Pandemie wird nach großflächigen Mitteln gesucht, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Eine der vielversprechendsten Maßnahmen ist hierbei Contact Tracing, eine Methode die Daten zwischen Nutzern überträgt die sich auf der offenen Straße begegnen um festzustellen, welche Nutzer in Kontakt mit einer infizierten Person gekommen sind. Hier haben Apple und Google Anfang des Monats eine Kooperation angekündigt, um eine API zu entwickeln die Gebrauch von Contact Tracing macht, ohne dabei in die Privatsphäre der Nutzer einzugreifen - jedoch reicht dies Frankreich nicht, denn die Regierung ist dabei eine eigene App zu entwickeln, die Contact Tracing ermöglichen soll und schon am 11. Mai erscheinen soll. Dabei tauchen jedoch speziell mit dem iOS Betriebssystem Probleme auf, die das Parlament von Apple behoben haben möchte.

Schnell gebaute App oder Priorisierung der Privatsphäre?

Frankreich gilt als eine der schnellsten Länder, die auf den Ausbruch des Coronavirus reagiert werden. Präsident Macron wird so zitiert, Mitte März deklariert zu haben dass Frankreich "im Krieg" mit dem Virus sei, was zu strikten Regelungen in Sachen Quarantäne geführt hat - Bürger müssen so spezielle Dokumente mit sich führen, um überhaupt das Haus verlassen zu dürfen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, das Frankreich als eine der ersten Länder an eine Art des Contact Tracings angefangen hat, zu arbeiten.

Jedoch traf das Entwicklungsteam dahinter auf eine harte Barriere, so digitaler Minister Cedric O: wenn Dateien vom Gerät gesendet werden, wird Bluetooth automatisch ausgeblockt. Dies hat Gründe der Privatsphäre, da so ansonsten einfach sensible Dateien vom eigenen Handy ungewollt versendet werden könnten - Cedric O sieht das jedoch nicht in diesem Kontext. "Wir haben Apple darum gebeten, die technischen Hürden aufzuheben um uns zu erlauben, eine souveräne europäische Lösung zu entwickeln die in unser Gesundheitssystem passt. Die Minister haben unsere Bedenken Apple mitgeteilt und mit dem Unternehmen darüber diskutiert, aber wir machen nicht viele Fortschritte," so O.

PEPP-PT nimmt für Frankreich zu viel Zeit in Anspruch

Um die ungewollten Lücken in der Privatsphäre des Endnutzers zu umgehen, arbeiten Apple und Google an einer eigenen Contact Tracing API, welche speziell für Gesundheitsinstitute und die Regierungen der betroffenen Länder verfügbar gemacht werden soll - so auch Frankreich. Es haben sich auch schon alle Mitglieder der EU bereit erklärt, diese API zu übernehmen, jedoch scheint das größte Problem für die französische Regierung hier das Timing zu sein. Die API wird frühestens im Mai für die Länder verfügbar sein, und dazu muss die Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing App (PEPP-PT) als Plattform noch entwickelt werden - eine richtige Verwendung wird so erst gegen Ende Mai realistisch sein. Das reicht Frankreich jedoch nicht, und so entwickelt die Regierung eine eigene API parallel, um das Schicksal des Landes in die eigene Hand zu nehmen - jedoch stellen die Grenzen von iOS eine kritische Hürde dar. Die Regierung selbst hat sich zu der eigenen App wie folgt geäußert:

"Das französische Parlament wird sich über die von Inria entwickelte App, welche eine staatseigene Entität für die technologische Forschung darstellt, am 28. April beraten. Kein Mitglied wird eine Modifikation der Implementierung der App vorschlagen können. Nutzer können die App im Mai auf einer freiwilligen Basis herunterladen."

Weitere Details zu der App sind noch nicht publiziert worden, und so ist ebenfalls die Frage der Einhaltung der Privatsphäre in dieser App ungelöst - besonders mit der technologischen Hürde des Bluetooth Safety-Nets. Parallel dazu sollen die Betriebssysteme Android und iOS in den kommenden Wochen bis Monaten Updates erhalten, welche es den Nutzern ermöglichen sollen dem Contact Tracing beizutreten ohne eine App vorher installiert zu haben. Dazu und zu der weiteren Entwicklung der API werden von Apple und Google in der nahen Zukunft Statements erwartet.

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